Bekenntnisse einer Edel- und Promi-Hure
„Wenn der Mensch nicht darüber nachdenkt, was in naher Zukunft passiert, wird er das schon in naher Zukunft bereuen."
Konfuzius
Er ist ein Teil von mir, er beherrscht meine Gedanken bei jedem Atemzug, wenn eine Stunde vergeht, ohne dass ich seine Stimme gehört habe, fühle ich mich verloren, hilflos. Er erfüllt mir jeden meiner Wünsche, gibt mir das Gefühl, mich in- und auswendig zu kennen, meine tiefsten Gedanken!
Er ist genau der, von dem ich immer geträumt habe: Mein Märchenprinz!
Bis er mir seine dunkelste Seite zeigt!
Diese dunkle Seite „Die Faust des Märchenprinzen" verfolgt Lara selbst aus dem Gefängnis heraus. Er zieht die Fäden der Angst und Lara ist darin gefangen. Ihr bleibt, wieder einmal nur die Flucht, um ihr Leben zu retten.
Lara ist 18 Jahre alt.
Und mit dem Rattern der Räder auf den Gleisen holt mich unerbittlich meine schmerzliche Vergangenheit wieder ein. Meine verloren gegangene Liebe, die mich quält!
Wohin wird der Zug des Lebens sie bringen?
Müde, durchgefroren und in dem Gefühl, allein auf der Welt zu sein, steigt sie in Baden-Rosenheim aus dem Zug. Endstation!?
Verzweifelt wird ihr klar, dass sie auf der Straße, an einem fremden Ort voller fremder Menschen ist. Im Nebel der Nacht öffnet ein Fremder ihr die Wagentür seines Mercedes. Und das völlig desorientierte und erschöpfte Mädchen vertraut seinen freundlichen Worten, steigt ein und fährt mit ihm zu seinem Schloss. Hier soll ihr neues Zuhause sein.
Ein Märchenschloss und sie das Dornröschen darin! Durch einen Zauber schlafend, so erscheint es ihr!
Ich bilde mir ein, Menschen, die zwischen so viel schönen Dingen leben, müssen notgedrungen selber schön und gut sein, werden sich weder betrinken noch fluchen, weder schreien noch schlagen.
Gefangen in einem Luxusschloss wie in einem Märchen aus Tausendundeiner Nacht! Das Luxusschloss ... ein Edelbordell und das Mädchen Lara bald eine Edel-Promi-Hure darin.
Eine völlig fremde Welt tut sich da für mich auf, erschreckend und faszinierend zugleich, eine Welt fern der Realität, doch mir scheint nur in dieser Welt gibt es jemanden, der mich begehrt, wenn auch nur für Liebe gegen Geld!
Und von Freier zu Freier rede ich mir mehr und mehr ein, ich mache es doch nur, um Geld zu verdienen, ich setze meinen Körper ein, weil ich das Geld brauche, um davon leben zu können.
War ich vorher das verletzte Mädchen, so trage ich nun Schicht für Schicht die Maske der stolzen Hure auf, die für Geld ihre Seele verkauft.
Die Wandlung von Lara, dem Mädchen, zu Violett, der Hure, geht für mich jetzt nahtlos über. Ich übe mich perfekt in der Abspaltung, wie die russische Holzpuppe Matroschka!
Ich mache eine auf, dann ist da noch eine, die mache ich auch auf, dann treffe ich auf die Nächste, die mache ich auch auf, und wenn ich denke, es ist keine mehr da, dann treffe ich auf die Nächste und immer so weiter und weiter!
Perfekt in meiner Rolle als Verführerin macht es mir Spaß, den Männern das Geld aus der Tasche zu locken, und die Männer zahlen gern und sie werden für mich so zu einer Endlosschleife immer wiederkehrender Freier!
Wochen vergehen und die Kerzen im Schloss scheinen für mich nie mehr auszugehen!
Ihr Glaube: Körper gegen Geld und die eigene Seele bleibt raus bei dem Geschäft, erweist sich als Irrglaube. Denn die Schmerzensschreie ihres Körpers kann sie kaum noch überhören. Aufsteigende Krämpfe wühlen von Freier zu Freier wie ein tosendes Ungeheuer in ihrem Unterleib.
Aufkommende Schmerzen schiebe ich achtlos beiseite, denn was soll das viele Aufheben um einen Haufen Knochen, Fleisch und Haut!
Für das Rollenspiel der Hure braucht sie den Alkohol, um die tastenden Finger der fremden Männer auf ihrer Haut nicht länger als nötig spüren zu müssen und Captagon.
Über einen langen Zeitraum hier im Schloss ist es mir gelungen, meinen Verdrängungsmechanismus auf Hochtouren laufen zu lassen.
Als sie den Grafen von H. vorgestellt wird, holt die Vergangenheit sie ein, die sie doch für immer aus ihrem Gedächtnis verdrängen wollte.
Der Traum in der Nacht ist dämonischer Natur: Mein Vater ... der Graf ... zwei Gesichter, doch nur ein paar Augen, die auf mir ruhen. ... Stahlblau, überlegen kühl zugleich, aber auch fürsorglich und es bringt mich im Traum fast um, weiß ich doch nicht, welchem Gesicht diese Augen zugehörig sind!
Das Märchenschloss wird zu des Teufels Lustschloss!
Leben der Engel und die Teufelin bislang als vertraute Feinde nebeneinander in mir, so beginnt jetzt der Kampf. Der sanfte Engel, hungrig nach Liebe, und die berechnende Teufelin, gierig nach Geld, stehen sich gegenüber, jeder auf der Hut, von dem anderen nicht verspeist zu werden.
Das Geschäft der Hure, „Liebe" in den Freier zu pflanzen wird für sie zum Bumerang.
Eine Edelhure hat einen Ehrenkodex und er ist Gesetz!!!
Niemals küsst sie einen Freier ... niemals macht sie es ohne Schutz... niemals verliebt sie sich in ihn ... und niemals vergisst sie dies!
Erst viele Stunden nachdem Philippe gegangen ist, wird mir klar, dass ich in dieser Nacht eine Grenze überschritten habe.
Die Flucht vor Gefühlen ist hier zu Ende!
Ein Märchenschloss und ich das Dornröschen darin, verzaubert schlafend, durch Philippes Kuss zum Leben erweckt, so erscheint es mir!
Zerrissen zwischen Melancholie und Trauer - zwischen Verlangen und Verlust kann sie die Maske der Hure nicht mehr aufrecht erhalten und begeht den für eine Hure folgenschweren Fehler, sie verliebt sich!
Ich darf einen Freier nicht lieben ... Ich darf es nicht zulassen ... niemals!!! Doch was kann ich dagegen tun? Ich liebe Philippe bereits!
Sie muss sich entscheiden, denn beides kann sie nicht leben. Ein Leben als Hure und zusätzlich ein Leben mit Philippe, es würde ihre Seele zerreißen. Sie hat Angst, Angst vor dem Schmerz, Angst vor dem Tod, aber vor allem hat sie Angst vor der Liebe! Ihr wird klar, sie sitzt hier im Schloss in einem Käfig, doch was noch schlimmer für sie ist, sie hat ihn sich selbst gebaut! Diese Erkenntnis gibt ihr schließlich die Kraft für den Sprung zur Flucht.
Alles kommt mir so unwahrscheinlich vor, als ich zum Spiegel eile und mir das erste Mal wie seit langem nicht mehr direkt in die Augen sehe, und ich will es nicht glauben, dass ich dies wirklich tue ... Ich lächle!
Durch die Liebe zu Philippe gestärkt, gelingt es dem Mädchen Lara die Hure Violette zu verdrängen und aus den Fängen des Schlossherren zu flüchten.
Ein Jahr, nachdem sich die grünen Wände der Birkenallee hinter ihr schlossen.
Jeden Meter, den Philippe fährt, lasse ich Violette hinter mir ... Asche zu Asche, Staub zu Staub! Ich lasse sie sterben ...! Ich lebe ab heute auf der Seite, wo der Tag kommt, und nicht mehr, wo er geht!
Prostitution gilt als das "älteste Gewerbe der Welt". Handel mit der menschlichen Sinnlichkeit gab es zu allen Zeiten bei allen Völkern - und doch wird kaum ein Thema mit so spitzen Fingern angefasst. Es hat viele Versuche gegeben, Sexarbeit - wie Insider diese Arbeit nennen - wegen sittlicher Bedenken zu verhindern. Trotzdem hat sie immer fortbestanden, oft verschleiert und auf heimlichen Pfaden, nicht zuletzt, weil das Sexgewerbe schon immer ein wichtiger Wirtschaftszweig war.
In ihrem Bekenntnis lässt uns Lara Andriessen hinter das Tabuthema, Prostitution schauen und wir erfühlen den Menschen, das Lebewesen hinter der Prostituierten.
Es gibt nichts auf der Welt, was interessanter erscheint als eine berechnende Hure, die sich verrechnet in der Lust der „käuflichen Liebe"!
... Und auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, die Liebe findet!
Marion Liehmann
"OFFENE LIPPEN"
01-.02.06
Lara Andriessen beschreibt in ihren Bekenntnissen einer Edel- und Promi- Hure eine Phase in ihrem Leben, welche die "Höhen" und "Tiefen", aber auch die persönlichen Verwerfungen in diesem Geschäft aufdeckt.
In ihrer ersten Publikation "Verdauung der Masken" hat sie ihre bisherige Lebensgeschichte als missbrauchtes Kind und der Gewalt ausgesetzten Frau schon in einem allgemeinen Überblick erschütternd dargelegt.
In der Publikation "OFFENE LIPPEN" nun geht es detailliert auf die wohl schwierigste Phase in ihrer Entwicklung ein. Denn war sie bislang Missbrauch und Gewalt ausgesetzt in ihrem Elternhaus und in ihrer "Ausflucht-Verbindung mit ihrem Partner Bruno, also Opfer, so überschreitet sie mit ihrem Aufenthalt im Schloss von Marec diese Opferlinie.
Marec nimmt das Mädchen Lara - minderjährig - nicht auf als Menschenfreund, sondern ist auf dem "Fischfang" nach neuem Blut für sein Freudenhaus - und Lara wird systematisch von einer dominierenden Kollegin dafür mit allen Finessen des Gewerbes und in Verachtung für die Freier geschult - Marec verbrennt sich nicht direkt die Finger!
Schließlich ist Lara soweit, dass sie sich als "stolze" Hure fühlt und verkauft. Natürlich ist Lara selbst den Gelüsten und Phantasien der Freier ausgesetzt und insofern auch unterdrückt - aber mit ihrem Verkauf von Illusionen, die sie nicht einzulösen gedenkt, betrügt sie auch gegen teures Geld, verachtet sie und wird so auch selbst Täterin.
Allmählich wird dem Mädchen Lara, der Hure "Violette" klar, dass sie in dieser rolle die vermisste und ersehnte Liebe nicht findet, sondern sich selbst aktiv davon entfernt - das Gegendteil ihres Fluchtziels vor ihren Eltern und vor Bruno!
Auch wenn sie in den geschmähten und verachteten Freiern die Gesichter früherer Peiniger durchschimmern sieht und so den Eindruck von Ausgleich vermutet - es befriedigt und versöhnt Lara nicht. Es ist kein Ausgleich an den Peinigern, sondern ein unbefriedigendes Sich - Erwehren an den Freiern als Ersatzfiguren, die eine begehrenswerte, vielversprechende Violette vorgegaukelt bekommen und nicht um die geschundene Lara wissen, die sich eigentlich dahinter verbirgt und quält!
Dann taucht ein Freier auf, der es anders mit ihr meint: Philippe! Nach vielen inneren Kämpfen und Auseinandersetzungen mit Marec und der dominanten Celiné entwindet "Violette" sich den Verstrickungen von Opfer und Täter und strebt als Lara mit Philippe in eine neue, andere Welt. An deren Anfang steht ein massiver Unfall!
Das Buch "OFFENE LIPPEN" - Bekenntnisse einer Edel- und Promi-Hure - sollte allen zu denken geben, die glauben, in einer Prostitution als Freier ihre geheimen Wünsche erfüllt zu bekommen oder als Prostituierte sich selbst darin ein glanzvolles und reiches Leben einzurichten. Sie alle sollten es sich erlesen:
ERKAUFEN UND VERKAUFEN SIND KEINE LIEBE!
Peter Mück